Der Markt für autonome KI-Systeme soll bis 2030 auf 42,5 Mrd. USD wachsen. Gleichzeitig verlagern sich globale Handelsströme, Energieinvestitionen übersteigen 3 Bio. USD und das Vermögensverwaltungsvolumen klettert auf 147 Bio. USD.

Acht strukturelle Trends prägen nach Einschätzung von Strategie- und Wirtschaftsberatern das Jahr 2026: von autonomen KI-Systemen über die Longevity Economy bis zur Neuordnung globaler Handelsrouten. Im Zentrum steht die Frage, wohin Kapital fließt und welche Sektoren an Bedeutung verlieren.

Agentic AI wächst auf 42,5 Mrd. USD bis 2030

Autonome KI-Systeme, sogenannte Agentic AI (KI-Agenten, die selbstständig Entscheidungen treffen, Aufgaben planen und ausführen, ohne menschliche Einzelanweisung), stehen an erster Stelle. Laut einer Expertenanalyse von Trendone soll der Markt von 7 Mrd. USD (2025) auf 42,5 Mrd. USD bis 2030 wachsen – ein jährliches Wachstum von 43,6 %. Bereits heute nutzen nach dieser Schätzung 39 % der globalen Konsumenten und 54 % der Generation Z KI-Agenten zur Produktsuche.

Parallel dazu sieht das Thailand Development Research Institute eine neue wirtschaftliche Rangordnung: Ganz oben stehen sogenannte KI-Landlords – Eigentümer von Chips, Rechenzentren, Energieinfrastruktur und KI-Plattformen. Darunter rangieren „Cyborgs“, die KI zur Effizienzsteigerung einsetzen, gefolgt von Servicekräften mit menschlichem Interaktionsfokus.

Energieinvestitionen: 3,3 Bio. USD in 2026 – mit sinkender Tendenz

Globale Investitionen in den Energiesektor sollen 2026 auf 3,3 Bio. USD steigen, davon 2,2 Bio. USD in erneuerbare Energien, Netze, Speicher und Effizienz – das Doppelte der Ausgaben für fossile Brennstoffe (1,1 Bio. USD). Das geht aus dem World Energy Investment Report der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, müssten die jährlichen Ausgaben für saubere Energie bis 2030 auf 4 bis 5 Bio. USD steigen.

Gegenwind kommt aus den USA: Das dort als „One Big Beautiful Bill Act“ bezeichnete Steuergesetz sowie Beschränkungen für Produkte aus bestimmten Auslandsquellen (FEOC-Maßnahmen) haben mehrere Steuervergünstigungen für saubere Energie gestrichen. Im ersten Halbjahr 2025 sanken Wind- und Solarinvestitionen dort um 18 %. Erneuerbare machten trotzdem noch 93 % des US-Kapazitätszuwachses bis September 2025 aus, Solarenergie und Speichersysteme allein 83 %.

Urbanisierung und Mobilität als langfristige Infrastrukturthemen

Die UN-Abteilung für Wirtschaft und Soziales (DESA) geht davon aus, dass bis Mitte des Jahrhunderts rund 2,5 Milliarden Menschen zusätzlich in Städten leben werden. Bis 2028 soll Neu-Delhi zur bevölkerungsreichsten Stadt der Welt werden. Der Bedarf an Smart-City-Infrastruktur, Wohnraum, Energie und Transport wächst entsprechend.

Bei der Mobilität werden bis 2025 mehr als 20 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft – über ein Viertel aller Neuzulassungen weltweit. Der Markt für geteilte Mobilitätsangebote (Shared Mobility: Carsharing, Ridesharing, öffentlicher Nahverkehr als Dienst) soll laut Polaris Market Research bis 2032 auf 815 Mrd. USD wachsen.

Die beiden weiteren Megatrends – Longevity Economy (Seniorenwirtschaft und Langlebigkeitsökonomie) und geopolitische Handelsverschiebungen durch US-Zölle – rahmen den strukturellen Wandel ab: Regierungen und Unternehmen reagieren mit Nearshoring, neuen Handelsbündnissen und Marktdiversifizierung in Regionen wie dem Nahen Osten, Afrika und Südostasien.